Tarif-Benchmarking: Können Sie mit dem Begriff etwas anfangen?

Kaufen Sie Ihr Brot in unterschiedlichen Bäckereien? Da es sich bei Brot um ein Grundnahrungsmittel handelt, der Lebensmittelhandel hart umkämpft ist, die Preise zunehmend online vergleichbar sind und die Einzelhändler damit ähnliche Preise verlangen, wahrscheinlich nicht.

Kunden treffen ihre Kaufentscheidungen normalerweise basierend auf anderen Faktoren, z. B. der Entfernung des Supermarkts von ihrem Zuhause.

Umgang mit ständigen Preisänderungen

Flugbuchungen sind viel komplexer. Tarife können sich – abhängig von der Verfügbarkeit und der aktuellen und zukünftigen Nachfrage – pro Tag sehr häufig und stark ändern.

Die Entscheidung, wo man am besten bucht, ist damit schwieriger und Urlaubsreisende verbringen folglich viel Zeit mit dem Vergleichen von Angeboten.

In der Arbeitswelt können die meisten Reisenden und Bucher nicht bei jedem Flug unterschiedliche Anbieter berücksichtigen. Diejenigen, die es versuchen, stellen schnell fest, dass es zeitintensiv und aufwändig ist, jeweils das günstigste Angebot zu finden.

Sammeleinkäufe

Der zunehmende Einfluss des Einkaufsteams bei Geschäftsreisebuchungen wurde vom Aufschwung einer interessanten Art und Weise des Angebotsvergleichs begleitet: Diese ist mit Kunden vergleichbar, die sich ihren Supermarkt basierend auf dem Preis eines Standard-Einkaufskorbs mit bestimmten Produkten an einem bestimmten Tag aussuchen.

Bei Geschäftsreisen spricht man hier von Tarif-Benchmarking. Geschäftsreisemanagement-Unternehmen (Travel Management Companies, TMCs), die zur Angebotsabgabe aufgefordert werden und sich um die Verwaltung der Geschäftsreisen eines Unternehmens bewerben möchten, werden gebeten, Dutzende von Tarifen für Flüge auf wichtigen Strecken, zu bestimmten Daten und Zeiten, zur Verfügung zu stellen. Diese werden normalerweise nach Vorausbuchungszeiträumen sortiert. Die Tabellen enthalten dann Hunderte von Preisen. Die TMCs, die beständig günstige Tarife bieten, punkten.

Tarif-Benchmarking ist inzwischen bei Unternehmen mit mittleren Reiseausgaben beliebt. Zudem findet es bei Ausschreibungen durch externe Berater großen Anklang, da diese oft nach der Anzahl an TMCs bezahlt werden, die auf eine Ausschreibung antworten, oder kompliziertere Ausschreibungsverfahren eine genauere Analyse erforderlich machen.

Tarif-Benchmarking klingt ja ganz gut, aber Sitzplätze von Fluggesellschaften sind kein Brot.

Das Problem des Nachweises

Da die Tarife immer von Angebot und Nachfrage abhängen, ändern Optionsbuchungen von Sitzplätzen im Flugzeug die Marktlage. Wenn ein TMC eine Optionsbuchung für einen Sitzplatz vornimmt und ein anderes gleichzeitig sein Benchmarking durchführt und sich nur einen teureren Platz sichern kann, welches ist besser? Manche TMCs blockieren möglicherweise absichtlich Sitzplätze, um andere Bieter zu schädigen.

Und dann gibt es da noch das Problem des Nachweises. TMCs wären unvernünftig, Tarife völlig zu erfinden, aber sie wissen, dass Travel Manager die Tarife wahrscheinlich nicht bis ins kleinste Detail prüfen.

Was ist die Antwort?

Was passiert, sobald die Ausschreibung abgeschlossen und ein TMC ausgewählt wurde? Nichts verpflichtet das TMC dazu, weiter nach dem besten Tarif auf dem Markt zu suchen.

Tarif-Benchmarking bietet zwar eine Momentaufnahme davon, wie gut sich ein TMC günstige Preise sichern kann, ist aber nicht alles. Travel Manager, die sich auf diese Praktik verlassen, sollten sie regelmäßig durchführen und die auf diese Weise erzielten Preise einer unabhängigen Kontrolle unterziehen, um das Vorgehen zu untermauern.

Man könnte sich aber auch eingestehen, dass die Konzentration des Einkaufs auf den Preis nicht aufrecht zu erhalten ist und Travel Manager stattdessen den Wert unterschiedlicher TMCs auf lange Sicht beurteilen sollten.