Einfache Strategien für eine bessere Executive Presence

Travel Manager beim Gespräch mit Geschäftsreisenden

Lelia Gowland, Principal, Gowland LLC.

Travel Manager wissen, wie wichtig persönliche Treffen sind, um die Bindung zwischen Mitarbeitern, Kunden und Kollegen zu stärken. Auch die kontaktfreudigste Plaudertasche stößt schnell an ihre Grenzen, wenn es darum geht, in einer Videokonferenz ein gutes Verhältnis zu ihrem Gegenüber aufzubauen, und sei die Technik noch so modern.

Wenn Ihre Mitarbeiter dienstlich unterwegs sind, um sich mit Kunden und Kollegen zu treffen – wie möchten sie da wohl rüberkommen? Wollen sie lieber

  • die Person sein, die Ernst und Würde – im Fachjargon Gravitas genannt – ausstrahlt und sofort als kompetent wahrgenommen wird? 
  • Oder eher die Person, die an der Gepäckausgabe am Flughafen vor Nervosität erst mal ihren gesamten Kofferinhalt über den Fußboden ergießt und offensichtlich damit kämpft, die flatternden Nerven unter Kontrolle zu halten?

Ich habe beides ausprobiert und bin daher klar für die erste Option.

Wir alle erkennen sofort die sogenannte „Executive Presence“, die die Person in unserem ersten Beispiel verkörpert. Es ist diese Aura einer Führungspersönlichkeit, die man spürt, wenn jemand selbstsicher und geschliffen einen Raum betritt. Da ist dieses gewisse Etwas, mit dem eine solche Person auftritt – natürlich mühelos und ohne sich zu verstellen. 

Wir alle wünschen uns Executive Presence, aber wie bekommt man sie? Bisher gibt es leider noch kein Wundermittel dafür, aber es gibt Jennifer Lee, Ausbildungs- und Entwicklungsleiterin und Expertin für Executive Presence.

Laut Lee gibt es bei der Executive Presence zwei wichtige Faktoren, nämlich die bereits erwähnte Gravitas, also wie man auftritt, und die sogenannte wahrgenommene Identität: wie man aussieht und wie man dadurch von anderen Menschen wahrgenommen wird.

Gravitas: Selbstsicherheit ausstrahlen (oder sie zumindest vortäuschen können)

Geschäftsreisen dienen dazu, Ihre Mitarbeiter zu den Menschen zu bringen, mit denen sie zusammenarbeiten. Aber was passiert, wenn sie erst mal vor Ort sind? Die zwischenmenschlichen Begegnungen hinterlassen einen großen und bleibenden Eindruck, darum ist es wichtig, dass Sie Ihre Reisenden dabei unterstützen, erfolgreich aufzutreten. Jennifer Lee gibt dafür einige Tipps, die Sie Ihren Geschäftsreisenden mit auf den Weg geben können – angefangen bei den richtigen Accessoires.

Auf Dienstreise mag es bequem sein, auf dem Sprung alle seine Sachen in einen Rucksack oder eine große Handtasche zu stopfen. Aber das kann zu der peinlichen Situation führen, dass Sie jede Tasche durchwühlen, wenn Sie nach einer Visitenkarte gefragt werden. „Irgendwo hier muss ich sie haben“, murmeln Sie, und kramen vom Kaugummi über angebissene Müsliriegel bis hin zum Haustürschlüssel alles aus Ihrem Rucksack heraus. Bis Ihnen einfällt, dass Ihr Visitenkartenetui in der anderen Tasche ist.

Lee betont die Wichtigkeit von Ordentlichkeit und legt ihren Kunden ans Herz, ihre Reiseutensilien gut und übersichtlich zu organisieren. Wenn Sie lieber mit einer großen Tasche unterwegs sind, könnten Sie eine kleinere Tasche darin aufbewahren, in der sich alles Wichtige fürs Geschäft befindet: ein Stift, Visitenkarten, ein Notizbuch.

So finden Sie schnell, was Sie brauchen, und können Ihre volle Aufmerksamkeit auf das Hier und Jetzt richten. Statt sich davon ablenken zu lassen, was sich ganz unten links in ihrer Tasche versteckt (und ob Sie es im Beisein Ihres Gesprächspartners zutage fördern sollten), können Sie sich weiter voll und ganz auf die Unterhaltung konzentrieren.

Mit diesem Ansatz können Sie wichtige zwanglose Begegnungen meistern, die einen bleibenden Eindruck hinterlassen. 

Auch unter Druck Selbstsicherheit auszustrahlen, ist allerdings ein anderes Thema. 

Eine von Lees Kundinnen erstarrte regelrecht vor Nervosität, wenn sie in Meetings etwas vor anderen präsentieren sollte, die sie als mächtiger empfand. Dann fiel die Executive Presence, die sie sonst mühelos ausstrahlte, in sich zusammen. 

Um ihr aus dieser Situation herauszuhelfen, entwickelte Lee mit der Kundin eine Strategie, die sie vor solchen Meetings anwenden konnte – ähnlich wie die Rituale, die Fußballspieler häufig vor dem Elfmeterschießen praktizieren. Das Ritual für die Kundin:

  • In eine ruhige Ecke gehen und viermal tief durchatmen. 
  • Eine Flasche Wasser holen. (Lee erklärt, dass viele einen trockenen Mund bekommen, wenn sie nervös sind. Dann geraten sie wegen der Mundtrockenheit in Panik und die Executive Presence ist ganz dahin.)
  • Einen „Verbündeten“ mit ins Meeting nehmen, also jemanden, der einen ein bisschen unterstützen kann. Wenn Lees Kundin vor Lampenfieber erstarrte, stellte ihr der Verbündete eine einfache Frage. Das unterbrach die Präsentation für einen kurzen Moment, in dem sich die Kundin wieder sammeln konnte, und stärkte gleichzeitig ihr Selbstvertrauen.

Wenige Monate nach der Einführung dieser Strategie wurde Lees Kundin von den Führungskräften als selbstsichere Rednerin wahrgenommen.

Wir müssen uns natürlich darüber im Klaren sein, dass viermal Luftholen, ein Getränk und ein „Verbündeter“ nicht automatisch Gravitas ergeben oder dazu führen, dass man auf Geschäftsreisen nie wieder nervös ist. Aber diese Strategie half Lees Kundin dabei, ihre Gefühle unter Kontrolle zu behalten und proaktiv vorzugehen, bevor der eigene Stress auch für andere sichtbar wurde. Sie selber entwickeln möglicherweise andere Strategien, aber die Notwendigkeit der mentalen Vorbereitung bleibt dieselbe.

Wahrgenommene Identität: Du bist, was du trägst

Vor Kurzem habe ich mich mit einer Frau unterhalten, die in Jeans zu einer Konferenz gereist war. Sie hatte sich im Vorfeld Gedanken über ihr Outfit gemacht und sich bewusst für Jeans entschieden, um zugänglich und ansprechbar zu wirken. Als sie aber den Konferenzraum betrat, trugen alle edlen Zwirn und ihr wurde bewusst, dass sie zwischen all den Anzugträgern und Businessfrauen ziemlich unprofessionell wirkte. Lee pflichtet ihr bei. Es dreht sich alles um den Kontext und ob man die Erwartungen der Branche erfüllt.

Jennifer Lee erzählt mir von einer Studie der Harvard Medical School: „Es genügt nur eine Viertelsekunde, um die Kompetenz und Vertrauenswürdigkeit einer Person allein anhand des Aussehens zu beurteilen.“

Das ist nicht fair“, findet Lee, „aber wenn Sie die Karriereleiter weiter hinaufsteigen wollen, muss sich das auch in Ihrem Aussehen widerspiegeln. Ihre Ideen sollen im Fokus stehen, nicht Ihre Kleidung.

Das gelte übrigens auch für Männer. Facebook-Gründer Mark Zuckerberg tauschte sein übliches Outfit, T-Shirt und Kapuzenpulli, gegen einen Anzug, als er sich mit Investoren traf. Doch leider: „Für Frauen gibt es noch mehr zu beachten, wenn man in dieser Viertelsekunde nicht untergehen will“, bedauert Lee.

Man müsse die Normen seiner Branche kennen und sich für den Job kleiden, den man haben möchte – das gelte ganz besonders für Frauen. Eine andere Kundin von Jennifer Lee arbeitet in einer sehr lockeren Branche. Aber wenn sie professionell weiterkommen möchte, „kann sie nicht in Einhorn-T-Shirt und zerrissener Jeans ins Büro gehen“, selbst wenn einige Kollegen dies tun. 

Die wahrgenommene Identität kann man laut Lee auf eine Frage herunterbrechen: „Wenn ich Ihnen meine Position in der Firma verrate, nehmen Sie mir ab, dass ich meinen Job anständig erledige?“ 

Das ergibt schon Sinn. Was in der einen Branche als angemessen gilt, wäre in einer anderen völlig unangebracht. Der strenge Pferdeschwanz einer Olympia-Turnerin sähe bei einer Nachrichtensprecherin, die über den Wettkampf berichtet, komisch aus. Und wenn die Turnerin mit der perfekt geföhnten Frisur der Nachrichtensprecherin auf die Matte treten würde, würde sie wahrscheinlich niemand ernst nehmen. Wie gesagt, es geht um Kontext und Erwartungen.

Fazit

Wie fast überall im Arbeitsleben muss man festhalten, dass für Frauen in Sachen Executive Presence ein etwas anderer Standard gilt als für Männer. Was Sie mit dieser Information anstellen, bleibt Ihnen überlassen. Wenn Sie für sich entschieden haben, dass die Tat mächtiger wirkt als das Aussehen, können Sie ruhig Ihr Game-of-Thrones-T-Shirt anziehen – aber seien Sie sich bewusst, welchen Eindruck Sie möglicherweise damit erwecken. 

Wenn Sie allerdings Jennifer Lees Rat zur Executive Presence befolgen möchten, sollten Sie organisiert sein, sich Strategien gegen Nervosität überlegen und sich Ihrer Rolle entsprechend kleiden.

Ihre Unternehmenskultur hat wahrscheinlich einen großen Einfluss darauf, was Sie und Ihre Kollegen im Büro tragen. Diese Kultur wirkt sich zweifelsohne auch darauf aus, wie sie sich auf Geschäftsreisen kleiden und geben. Erfahren Sie in unserem Whitepaper mehr über den Einfluss von Geschäftsreisen auf eine kostenbewusste Unternehmenskultur.